
Inhalt
Frankreich 1944, kurz vor Kriegsende: Drei Männer, eine Frau und ihre 15-jährige Schwester, Angehörige der französischen Résistance, sitzen gefesselt auf einem Dachboden – sie wurden während eines Gefechts von den Schergen der Pétainschen Kollaborationsregierung gefangen genommen. Nun erwartet sie nur noch Folter und Tod. Die Situation verschärft sich, als Jean, der ebenfalls verhaftete, aber noch unerkannt gebliebene Anführer der Gruppe, zu ihnen in das Dachgeschoss gesperrt wird. In diesem Moment ist allen bewußt, daß sie vielleicht ihr eigenes Leben retten könnten, wenn sie Jean verraten. Hin und her gerissen fragen sie sich, was stärker sein wird: Ihre Loyalität oder doch der eigene Überlebenswille?
Regie: Tanja Garlt · Mit: Glen-Michael Arriola (Henri), Alexander J. Beck (Jean), Michael Gelbke (Landrieu), Tina Jäger (Françoise), Alexander Kiersch (Radiosprecher/Radio France), Jan Landsiedel (Canoris), Sosyale Özdemir (Clochet), Sebastian Pietsch (Pellerin), Maria Pogoda (Radiosprecherin/BBC), Stefanie Schwarz (Lucie) & Janusz Witt (Sorbier)
Impressionen
Pressestimmen
Folterszenen fesseln auch die Zuschauer
Die Zuschauer hielten den Atem an, manche schreckten in ihren Sitzen zusammen. Danach erklang minutenlanger Applaus. Das RaRa-Ensemble Frankfurt hatte mit der Aufführung von Jean-Paul Sartres “Tote ohne Begräbnis” bei den von der TZ präsentierten Hofspielen 2006 einen vollen Erfolg gelandet. (…) Schon die ersten Szenen des Dramas fesselten die Zuschauer in der fast voll besetzten Tenne in ihren Sitzen. Françoise (Tina Jäger), Lucie (Stefanie Schwarz), Canoris (Jan Landsiedel) und Sorbier (großartig: Janusz Witt) sitzen auf dem Dachboden eines Hauses in Frankreich. Henri (Glen-Michael Arriola) schläft auf einer Pritsche: Vier Résistance-Kämpfer im Juli 1944, verhaftet von den Schergen des Vichy-Regimes. An den Händen gefesselt warten sie auf ihr Schicksal: Jean (eindrucksvoll: Alexander J. Beck), ihren noch flüchtigen Anführer. Auf dessen Verhaftung haben es Landrieu (Michael Gelbke), Clochet (Sosyale Özdemir) und Pellerin (Sebastian Pietsch), drei Soldaten des Kollaborations-Regimes abgesehen. Und diesen ist jedes Mittel Recht. Nacheinander werden alle Gefangenen gepeinigt. Als Jean unerkannt verhaftet und auf dem Dachboden eingesperrt wird, spitzt sich die Lage zu: Die Resistance-Kämpfer, vereint im Kampf um eine Sache, beginnen sich gegenseitig psychisch zu zermürben. Hier Jean, der fast schon arrogante Anführer, dort seine Untergebenen, gebückt aber nicht gebrochen durch die Peinigungen. Sie könnten ihr Leben retten, wenn sie Jean ausliefern. Es folgt eine atmosphärisch intensive Auseinandersetzung mit moralischen Fragen. Wie weit darf man in Extremsituationen gehen? Ist jedes Mittel Recht, um ein vermeintlich hehres Ziel zu erreichen? Fragen, mit denen sich nicht nur die Widerstandskämpfer auseinander setzen. Auch die Folterknechte sind zum Teil nicht frei von moralischen Zweifeln: Jean scheint isoliert, seine Geliebte Lucie fühlt sich ihren Peinigern näher als dem eigenen Anführer. Sorbier begeht Selbstmord, Lucie wird von ihren Mitkämpfern ermordet, um einen Verrat zu verhindern. Es bleiben jeweils drei Kollaborateure und drei Widerstandskämpfer übrig. Ein dramatisches, überraschendes Ende bahnt sich an. – Taunus Zeitung, 06.03.2006













